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Die RSV-Eisenbahn macht morbid

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In China feiern sie ja erst im Januar oder Februar das Neujahrsfest „Pinyin“. Ich erwähne an dieser Stelle gerne, dass diesem Umstand die Umstellung vom traditionellen Lunisolarkalender auf den gregorianischen zugrunde liegt, die sich 1911 vollzog – in dem Jahr also, in dem Chen Zhibin in einer kleinen Arbeiterkate in der Wassergasse, nur einen Schlägerwurf von der Haybachhalle entfernt, geboren wurde. Sein Vater, der ebenfalls Sven Säbel hieß, war Drechsler, ansonsten aber ein feiner Kerl.

In diesem Jahr, 2015, fiel das Pinyin auf den 19. Februar. Es ist das Jahr des Schnitzels oder Schafs, und jetzt hat es endlich begonnen. Man mag behaupten, die Verbindung sei an den Haaren herbeigezogen, wogegen ich einwende: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?, und daran festhalte: Es ist kein Zufall, dass an diesem Wochenende auch für den RSV Klein-Winternheim das neue Jahr erst so richtig begonnen hat. Mit zwei Siegen beim TVB Nassau (9:7) und beim VfR Simmern (9:6) haben wir uns nicht nur aus der Abstiegszone geschupft. „Wir sind jetzt sogar auf den Campingplätzen“, frohlockt Mannschaftssprecher Yves B.

In Nassau kamen wir besser als der Gegner mit der ungewohnten Situation zurecht: Der Weltverband hatte den TVB zu einem Geisterspiel verurteilt, wahrscheinlich wegen einer kleinen Unsportlichkeit aus Mannschaftskreisen. Zuschauer waren also nicht zugelassen. Unbeeindruckt: Familie Küssner. „Wir sind Allesfahrer und lassen uns doch nicht von so einem lächerlichen Verbot aufhalten“, lachten die Kuttenträger. „Ich habe gesagt, dass ich der Elektriker bin, und meine Frau, dass sie letztes Mal ihre Brille vergessen hätte und gerne noch mal kurz nachschauen würde“, berichtet Vater Küssner, „es ging fast zu einfach, unsere Pyrotechnik war auch kein Problem“. Auf der Tribüne habe man zwei ebenfalls eingeschleuste Nassauer schnell in den Griff bekommen. Ein kräftiges „Hurra, Hurra, Klein-Winternheim ist da“, und schon seien die Burschen vom Land ganz leise geworden, hätten stattdessen Flächenmaße verglichen (wieviel Ar sind ein Hektar? Und in Diemat ausgedrückt?).

Aufm Platz lief es ziemlich genau so, wie wir uns das vorgestellt hatten: zwei Doppel am Anfang, drei vorne, einer in der Mitte, zwei hinten, und dann noch ein Doppel. David und ich (what? *feeling confused*) gaben 2:0´s her, aber nicht so schlimm. Matchwinner war Marco G., der zweimal gewann und mit dem besten Doppelspieler zwischen Ober- und Nieder-Olm, David S., auch das wichtige Doppel drei holte. Das Wort „Doppel“ ist eben oft gefallen. Doppel, Doppel, Doppel. Doppel.

Am Sonntag war´s schöner. Erstens war der Gegner sympathisch, zweitens war ein bisschen Atmosphäre, drittens Oliver und Yves statt Marco und David S. dabei, und diesen Tauschhandel würde ich auf allen Wochenmärkten dieser Welt eingehen und noch ein Kaninchenfell drauflegen. Diesmal gewannen wir das Doppel drei nicht, holten aber vorne vier Punkte und hinten drei. Matchwinner war meines Erachtens klarerweise ich, aber es verbietet sich natürlich, das selbst zu schreiben, und so wird mein Glanz mal wieder, mal wieder! unter den Tisch gekehrt. Vor mir selbst stehe ich allerdings so gut da wie nie zuvor.

Übrigens: Die Zuschauerzahl in Nassau wurde nachträglich auf fünfzehn Schaulustige erhöht. Denn: Auf dem Vorplatz der Halle hatte der lokale Rotaryclub einen Würstchenstand installiert. „Und die Herrschaften sind alle bei uns auf der Toilette gewesen“, berichteten die TVB-Offiziellen. „Die Faszination an unserem Sport ist ungebrochen“. In diesem Sinne: Frohes Neues.

Von
David Weber