Also, es stand 0:2 und 6:10 – da fällt mir ein: Habe mich immer noch nicht davon erholt, dass McDonalds Sportmannschaften sponsert; es ist ein bisschen so, wie wenn Bäume für Äxte oder Fische für Angelhaken oder Nägel für Hammer Werbung machen würden –, also, auf jeden Fall sah es echt schlecht aus, als David S. plötzlich irre aufdrehte und dann patsch-patsch dieses Spiel umbog. „Das war ein Happy Meal“, zwinkerte der Dreizehnjährige, „mit einer tollen Überraschung“. Chen Zhibin konnte es gar nicht fassen und murmelte immer wieder: „Da brat´ mir einer einen Storch!“. Schade, dass es am Gesamtresultat nicht viel änderte: Der RSV Klein-Winternheim verlor gegen die TSG Kaiserslautern mit 3:9, aber ja, ohne den Sieg von David wäre es noch deutlicher, nämlich –  nein, das ist eine gute Übung für die Arithmetik-Talente aus der zweiten Mannschaft: Rechnet es mal selbst aus und schreibt die Lösung auf einen kleinen Zettel.

Es war ein wunderherrliches Spiel. „Diese Stimmung, dieses Niveau – das kenne ich eigentlich nur vom Tischtennis-Oberligasimulator auf der PS3“, verriet Ersatzmann David S., und weiter: „Das ist schon lustig: Da spielst du auf einmal mit und gegen Leute, die du sonst auf der Konsole spielst. Ich habe mich mit David W. eingespielt – von dem habe ich noch Bettwäsche!“ Es waren genau 81 Zuschauer da, davon bestimmt 25 aus Kaiserslautern, und alle waren ja so gut, Zuschauer und Spieler! Stanislav Horshkov gehört nicht nur zu den wenigen Leuten, die mit Stil Herrenhandtaschen tragen, er ist auch ein fantastischer Spieler, und Toru Takahashi würde auch unserer zweiten Mannschaft als Nummer zwei gut zu Gesicht stehen. Er sieht recht passabel aus, und zumindest im Doppel drei mit dem erfahrenen Matthias Becker könnte ich mir schon vorstellen, dass er den einen oder anderen Punkt holt. „Mein lieber Herr Gesangsverein“, staunte auch Bryan nicht schlecht, der gegen den Japaner gleichwohl ein überragendes Spiel machte und nur denkbar knapp verlor. Also, insgesamt verloren wir aber vorne durchweg, Nicolas gewann, er gewinnt oft, RSV-Schaffner Marco verlor, David W. auch, die beiden verlieren auch insgesamt relativ oft („Ihnen fehlt zurzeit der Swag“ (Zhibin)), und dann gewann David S. noch, das ist bekannt. Am Anfang hatten wir ein Doppel gewonnen, Zhibin und Bryan, und außerdem muss erwähnt werden, dass sich Mannschaftsbetreuer Claus Brusenbauch auf einem guten Weg befindet, den seit 1962 bestehenden Rheinland-Pfalz-Rekord von Herrmann H. für die längste Begrüßung einzustellen. „Ich bin gerade bei etwa 36 Minuten, 45 müssen es werden“, erklärt der Cicero-Fan.

Am Sonntag fasste sich Brusenbauch indes kürzer, weil Bryan nervös auf seinem Busticket für den Montag herumkaute. Das Spiel ging 8:8 aus, das wird vorweggenommen, wir haben ja die Spannung im Spiel selbst kaum ausgehalten! Es wurde so viel und so laut gejubelt wie selten. Gerüchten zufolge soll David W. schon am Morgen beim Bäcker ein „Tschoallez!“ gebrüllt und der Verkäuferin die Faust ins Gesicht gehalten haben, als er sein Rückgeld erhielt. RSV-Steinzeitgestein Yves B. beobachtet die Entwicklungen in diesem Bereich schon länger. „Gerade ist das „Tschoallez“ en vogue. Es ist eine Mischung aus „Tschoa“, dem absoluten Klassiker, und dem französischen „Allez“, so der 41-jährige Halbfranzose. Heute habe aber auch das „Jo“ besonders gut gezogen, es eigne sich vor allem für kollektive Freude, weil man, wenn man den Einstieg verpasst habe, einfach mit „ooooooooooo“ noch einsteigen könne. Eindrucksvoll sei die Performance des gegnerischen Zweiers gewesen, der, sehr unüblich, meistens zwei, öfters auch drei bis fünf „Tschoas“ hintereinander gerufen habe, zudem in der Lautstärke einer trächtigen Elefantenkuh, der man in den Hintern pikst. „Und dann musste ich einmal doch mit der Zunge schnalzen, als ich von Nicolas Brusenbauch ein „Sa!“ gehört habe, das hört man ja eigentlich gar nicht mehr, ein Relikt aus dem vergangenen Jahrtausend“, berichtete Yves. „Ein echtes Schmankerl“, pflichtete Marco G. bei.

Wie jetzt die Spiele genau ausgegangen sind, kann man ja hier nachlesen, es war auf jeden Fall sehr spannend und endete erst mit dem Schlussdoppel und einem verdienten Unentschieden, und jetzt habe ich keine Lust mehr, auf Wiederhörn, muss noch ins Poesiealbum von Jens J. schreiben. Ja meinetwegen: Vorne drei, Bryan toll, Verletzung Chen Zhibin (gute Besserung, mein Lieber!), Mitte einer von Nicolas, im hinteren Paarkreuz – ich sage ja immer, dem Kohlenraum der RSV-Eisenbahn, dort, wo sie verrußte Gesichter haben – zwei von David und Söhne, und zwei Doppel auch noch (Zhibin und Bryan). Und jetzt ärgere ich mich über diesen Ligamodus und dass wir keinen Pokal spielen, weil ich gerne Nicolas B. sagen lassen würde: „Wir stehen mit einem Bryan im Achtelfinale.“ Oder so.

 

Von
David Weber