Ein verdammter Satz…

Manchmal kann es im Sport brutal zugehen – zu dieser Erkenntnis gelangt fast jeder Athlet im Laufe seiner Karriere auf die mehr oder weniger harte Weise. Die einen früher, die anderen später, die einen trifft es weniger heftig, die anderen umso härter. 

Am vergangenen Wochenende war es unser Nachwuchstalent Henrik Brusenbauch, der die bittere Pille schlucken musste und erkannte, dass im Tischtennis schon ein einziger Satz ausreichen kann, um am Ende mit vermeintlich leeren Händen dazustehen. Ein Satz war es nämlich, der dem 14-Jährigen bei den Region-7-Ranglisten in Windhagen für Platz 3 und damit die Qualifikation zu den Deutschen Meisterschaften gefehlt hat. Doch was bleibt nach einem solchen Turnier? Am Ende nicht mehr als der Gang durchs tiefe Tal der Tränen? Oder vielleicht doch die ermutigende Erkenntnis, dass gerade mal ein Quentchen Glück oder Durchsetzungsvermögen gefehlt hat, um eine phänomenale Leistung mit Greifbarem zu belohnen?

Fakt ist: Henrik erspielte sich am ersten Turniertag den vorläufig ersten Platz im Klassement. Sieben Siege, keine Niederlage. Yves Besier beschrieb bei seiner SMS-Nachricht ins mitfiebernde Klein-Winternheim Henriks Leistung kurz und knapp mit: „Henrik 7:0!!!“ Drei Ausrufezeichen, die mehr sagen als viele Worte. Damit hatte wohl niemand gerechnet. Schon jetzt stand fest: Henrik Brusenbauch hat nicht nur seine Gegner überrascht, sondern auch uns! 7:0! Die Konkurrenz staunte. Und sie hätte vielleicht noch weiter gestaunt, wenn da nicht diese blöde Unterbrechung gewesen wäre. Diese lästige Nacht, in der so viel Zeit blieb, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen: „Was wäre, wenn? Die Qualifikation ist so greifbar nahe!“ Und wir Tischtennisspieler wissen, was passieren kann, wenn der Kopf im falschen Moment den falschen Input erhält. Vielleicht hat Henrik in dieser Nacht ein bisschen von seiner Leichtigkeit verloren, vielleicht wurde er aus dem Rausch gerissen, in den er sich am Samstag gespielt hat. Was genau passiert ist, werden wir nie erfahren. Aber Tag zwei brachte dann die bittere Erkenntnis, dass man auch mit einem grandiosen Spielverhältnis von 8:3 das Treppchen verpassen kann. Und die Erkenntnis, dass selbst gegen vermeintlich schlagbare Gegner höchste Konzentration gefordert ist.

Ein einziger lächerlicher Satz.

Während in solchen Phasen der Spieler noch im emotionalen Schockzustand ist, denkt der Trainer bereits einen Schritt weiter und fragt sich: Was habe ich im Turnier gesehen? Und löst man sich einmal vom reinen, gnadenlos unbarmherzigen Endergebnis, liegen die Erkenntnisse auf der Hand: Steil ansteigende Formkurve, stellenweise überragende Leistungen in Turnier und Saison. Kann das Henrik momentan trösten? Wahrscheinlich nicht. Muss es auch nicht. Langfristig wird aber auch diese Erfahrung ihn sportlich weiterbringen, ihm zeigen, wie man nach einem vermeintlichen Rückschlag zurückkommt. 

Und deswegen bleibt zum Schluss eigentlich nur eine Frage: Hat uns Henrik mit seiner Leistung in Windhagen beeindruckt?

Ja, verdammt!!! Mit drei Ausrufezeichen!!!

 

Von
Steffen Nagel

 

Die weiteren Platzierungen im Turnier: Nicolas Brusenbauch erreichte in der Jugendkonkurrenz den 7. Platz, Marco Gottwald wurde Sechster.