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Neue Coaching-Regeln – Die Bundesliga testet

Es ist wieder eine dieser „bahnbrechenden“ Neuerungen, die unseren Sport interessanter machen sollen. Und wie üblich verwurschtelt unser Verband auf seine typisch deutsche Weise einen möglicherweise sinnvollen Ansatz.

Doch eins nach dem anderen. Worum geht es überhaupt?
Im Juni hatte der DTTB-Bundestag beschlossen, dass optisches und verbales Coaching zwischen den Ballwechseln in den Bundesligen künftig in einer einjährigen Testphase erlaubt wird.
Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein. Die Gegner werden sagen, dass dadurch der Spieler an Eigenständigkeit und Verantwortung verliert oder der Spielfluss darunter leidet. Die Befürworter werden die taktische Komponente betonen, die von nun an eine größere Bedeutung erhält. Außerdem wird das Coaching umso wichtiger.
Wie gesagt, darüber kann diskutiert werden. Ein Versuch ist es allemal wert.

Nun wurde veröffentlicht, was künftig erlaubt ist und welche Verhaltensweisen verboten sind. Und hier beginnt man einmal mehr an der Zurechnungsfähigkeit einiger Verantwortlichen zu zweifeln.
Nachfolgend nenne ich nur mal ein paar der neuen Regeln und Verbote:

So ist es – wie oben erwähnt – von nun an zwischen den einzelnen Ballwechseln möglich, durch einen einzelnen, vorher zu benennenden Coach optisch und verbal beraten zu werden. Ein Dialog, beginnend durch eine Antwort des Spielers ist jedoch verboten. Okay, das sehe ich ein.

Das Coaching zwischen den Sätzen ist nunmehr nur noch nach dem zweiten und vierten Durchgang erlaubt, nach Satz 1 und 3 gibt es keine Pause. Und: Auch getrunken werden darf nach diesen beiden Sätzen nicht. Aha…

Der benannte Coach darf keine Hinweise an den Gegenspieler seines Schützlings geben. Ach…

Was noch wichtig ist: In den übrig gebliebenen Satzpausen dürfen alle Personen auf der Bank weiterhin gemeinsam coachen.

Es ist und bleibt fragwürdig, was man mit dieser Neu- und Umregelung bezwecken möchte. Fest steht: Ruhiger wird ein Tischtennisspiel dadurch nicht. Angesichts der übermäßigen Empfindlichkeit der meisten Tischtennisspieler in Deutschland eine fragwürdige Angelegenheit. Und noch viel stärker ist der Ermessensspielraum des Oberschiedsrichters gefragt.
Ist es mir beispielsweise als Coach erlaubt, wenn ich im Doppel auf der Seite hinter den Gegnern sitze und deren Zeichen vor dem Aufschlag sehe, sie meinen Schützlingen per Handzeichen mitzuteilen? Der Ballwechsel hat ja noch nicht begonnen.
Kann ich meinem Spieler vor dessen Aufschlagspiel per Geheimkommando seine nächsten beiden Aufschläge ansagen?

Viele Fragen bleiben offen. Und die größte Frage bleibt: Warum zum Teufel darf man nach dem ersten und dritten Satz nichts mehr trinken? Was hat das mit Coaching zu tun?

Diese Fragen können wir unseren Verantwortlichen ja mal irgendwann stellen. Aber nur nach dem zweiten und vierten Quartal. Dazwischen ist es nicht erlaubt. Trinken auch nicht. Das wäre für einige TT-Funktionäre vielleicht auch mal ein ganz guter Ansatz.