„Ich habe mich auf jeden Ball konzentriert, was sonst nicht immer – gerade bei leichteren Gegnern – der Fall ist“, erklärt RSV-Eigengewächs Marco Gottwald nach seinem grandiosen Erfolg bei den Düsseldorfer Andro Kids Open 2010. Nie zuvor hatte ein Klein-Winternheimer bei Europas größtem Jugendturnier im Einzel das Treppchen besteigen können, doch diesmal war es soweit: Nachdem er mit Matthias Becker im Jahr zuvor bereits den zweiten Platz im Mannschaftswettbewerb errungen hatte, wiederholte Marco diesen Triumph dieses Mal im Einzelwettbewerb des Jahrgangs ’95. Dass absolute Konzentration in einem solchen Turnier ab der KO-Phase das A und O ist, hatte er im Vorjahr leidvoll erfahren, als er – mit großen Ambitionen gestartet – bereits früh ausschied. Diesmal bewies der 15jährige, dass er aus seinen Fehlern gelernt hat und zeigte von Beginn an eine Präsenz am Tisch, die auch Coach Steffen Nagel beeindruckte: „Er hat in keinem Spiel auch nur den Anschein erweckt, dass er es etwas langsamer angehen lässt und war daher in den wichtigen Spielen voll bei der Sache und konnte sein ganzes Potential abrufen.“ Der erste richtig schwere Brocken wartete im Viertelfinale auf Marco, doch dieser überließ seinem Gegner aus Russland nie die Initiative und dominierte das Spiel von der ersten Sekunde an, sodass das 3:0 eigentlich nur die logische Konsequenz des Verlaufs darstellte. „Ich hatte mir das Halbfinale zum Ziel gesetzt“, sagt Marco, für den nun nach dem „Pflichtteil“ die Kür anstand. Im Halbfinale profitierte er dann zusätzlich zu seiner guten Leistung davon, dass sein Gegner sehr nervös ins Match ging und ihm mit meist schwachen Rückschlägen die Möglichkeit überließ, sein druckvolles Angriffsspiel auszuüben und schnell mit 2:0 in Führung zu gehen. Ein zwischenzeitlicher Satzgewinn seines Gegners erschütterte Marcos Selbstsicherheit am Tisch in keinster Weise und so demonstrierte er im vierten Durchgang seine Überlegenheit mit einem klaren 11:3.
Das spektakuläre Finale sollte folgen und zunächst sah alles nach einer Neuauflage des Halbfinals aus: Der Gegner zeigte sich überraschend unsicher und überließ Marco das Spielgeschehen. Nach dem Gewinn des ersten Satzes musste Marco dann jedoch feststellen, dass sein Kontrahent keinesfalls zu Unrecht ins Finale eingezogen war und von diesem Moment an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch der beiden, bei dem ein spektakulärer Ballwechsel den nächsten jagte. Für die zahlreichen Zuschauer, die sich rund um die Box versammelt hatten, war das Spiel eine reine Augenweide. Dass es am Ende 1:3 gegen Marco hieß und er sich mit Platz 2 begnügen musste, trübte die Freude über die starke Leistung nur für kurze Zeit. „Es war ein großartiges Finale, das ich durchaus hätte gewinnen können“, bekundet Marco, der im nächsten Jahr dann noch einmal seine Chance nutzen möchte, den ganz großen Coup zu landen.

Aber auch andere RSV-Spieler präsentierten sich in Düsseldorf in bestechender Form. Im Mannschaftswettbewerb ragten Nicolas Brusenbauch und David Schöne heraus, die mit dem Einzug ins Viertelfinale die Erwartungen mehr als übertrafen. Die ungleiche Paarung (Nico ist etwa 40 cm größer als David) zeigte Tischtennis vom Feinsten und musste sich erst in der Runde der letzten Acht den späteren Turniersiegern mit 1:3 geschlagen geben.
„Das Spiel hätte auch anders herum ausgehen können“, sagt Trainer Steffen Nagel, der das verlorene Doppel als ausschlaggebend sieht. „Nico und David haben ein taktisch fast perfektes Doppel gespielt“, erkennt der Coach an. „Leider haben sie ein paar Hundertprozentige nicht genutzt und das gibt bei einem Match auf diesem Niveau nunmal den Ausschlag.“ Eine Niederlage nach guter Leistung ist jedoch nie allzu tragisch, sodass wir absolut stolz auf den Düsseldorf-Auftritt der beiden sind.

Mit insgesamt 14 Spielern und Spielerinnen waren wir dieses Jahr so stark vertreten wie nie zuvor und wie eigentlich immer waren die vier Tage in Düsseldorf nicht nur sportlich, sondern auch außerhalb der Halle und abseits des Tischtennissports eine wertvolle Erfahrung und eine tolle Zeit für die Kinder und Erwachsenen. Und eines steht fest: 2011 selbstverständlich wieder!