Der Captain sprach, doch seine Worte fanden mich nur fetzenweise, so angespannt war ich. „Heute immens, immens wichtiges Spiel...blablabla...geht nicht nur um euch...Fans...Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle...Jobs in Gefahr...blabla...gehen jetzt da raus und gewinnen...Wackernheim...alles geben...Wackernheim...Wackernheim“. In mir wackerte es schon wie wild (noch beim anschließenden Abendessen war es mir nicht möglich, etwas anderes als „Wackernheim“ und „Laugenbrusen“ zu bestellen). Wir standen in den Katakomben, und Marco G., der Spielführer, instruierte uns derart inbrünstig, als stünde die Ober-Olmer Kavallerie vor dem Klein-Winternheimer Dorfgatter und drohte, den Ort dem Erdboden gleich zu machen, sofern man sich nicht bereit erkläre, Prinzessin Chen Zhibin rauszurücken.

Aber er hatte ja Recht, der Kapitän: Es ging um Alles oder Nichts, denn Nichts, das war in diesem Fall der Abstieg in die Verbandsoberliga, und ich erinnerte mich noch leidlich an den jüngsten Spieleabend der ersten Mannschaft, wo die Begriffe „Nichts“, „Verbandsoberliga“, „Bockovenpizza“ und „Matthias B.“ beim Assoziationsbingo in einer gemeinsamen Spalte aufgetaucht waren. Als wir schließlich zu den Klängen der Klein-Winternheimer Nationalhymne – an dieser Stelle noch einmal ein großes Dankeschön an „Die lustigen Trompeten vom Haybach“ und ihre herrliche Interpretation von „Am schönsten ist´s am Bahnhof“ – in die ausverkaufte TSV-Halle einliefen, wurde mir die Größe des Moments bewusst; wie ein Karussell-Feuerwehrauto – „tatütata, wo brennt es denn? Ich werde Feuerwehrmann“ (Zitat David S.) – drehten sich die Bilder des letzten Jahres in meinem Kopf, und ich drückte Stop!, als wir am letzten Maitag 2015 angelangt waren.

Die Saison hatte mit zwei positiven Ereignissen begonnen: Zum einen war es uns gelungen, zum zweiten Mal in der Abteilungsgeschichte das prestigeträchtige Fußballturnier der Ortsvereine zu gewinnen; ich erwähne lediglich in meiner Funktion als RSV-Historiker, dass es mir zum wiederholten Mal geglückt war, den goldenen Schuh des besten Torschützen zu ergattern. Es sind seitdem viele treffende Worte verloren worden über meinen unschätzbaren Wert für das Team, ja, wie ich bisweilen hörte, gar für die Region als solche; genug davon. De facto jedenfalls waren wir noch nie abgestiegen, wenn wir zuvor das Fußballturnier gewonnen hatten.

Und zum anderen hatte sich Marco G. einen Bänderriss zugezogen, was nicht nur in den Augen der Vereinspresse den Turniergewinn überhaupt ermöglichte, sondern auch sonnige Perspektiven für den Oberligastart im August eröffnete. Hinter vorgehaltener Hand, obwohl seit 2004 verboten, sprach Abteilungsvize Steffen N. von einer Stärkung des Tischtennisteams; man schleppe den Kapitän mittlerweile nur früherer Verdienste wegen noch mit; tatsächlich fühle er, N., sich beim Anblick G.s oft an ein Stück alter Torte erinnert: einstmals schön und schmackhaft, frisch, eine Aushängetorte für die RSV-Bäckerei; doch nun, nach Jahren unter der Glasfront, sauer, verschimmelt und porös, aber eben doch zu schade zum Wegschmeißen, es war ja eine gute Torte, eine Gottwälder Kirschtorte! Und unterdessen scharrten die jungen Kuchen aus der Yves de Baiser-Manufaktur schon mit den Noppen. So gesehen sei die „bedauerliche Verletzung“ also ein „enormer Glücksfall für die gesamte Abteilung“, so N., der mir im gleichen Kontext mitteilte, dass man auch auf meine Dienste erst beim nächsten Fußballturnier wieder zurückgreifen zu gedenke.

Zumindest in der ersten Mannschaft. Im Herbst wurde ich gebeten, in der zweiten Mannschaft auszuhelfen. Das Lachen über diese einmalige, unerreichte Frechheit verging mir schnell: Das Bild, das sich mir bot, war einfach zu katastrophal. Wo ist das Technische Hilfswerk, wenn man es einmal braucht?, fragte ich mich nach den ersten Schlägen mit der Mannschaft. Ach du lieber Himmel! In mir nahm der Gedanke Gestalt an, dass man selbst aus der zweiten Garde der Tischtenniseinheit vom „Seniorenschwimmen Mainz-Mombach e.V.“ eine schlagkräftigere Truppe rekrutieren könnte. Mir verbot sich, in dieser Liga Sieg um Sieg einzufahren; war mir doch, als sei ich bei den Blinde-Kuh-Weltmeisterschaften der einzige Teilnehmer ohne Augenbinde. Heiterkeit, als ich erfuhr, dass es tatsächlich möglich war, aus dieser Liga noch abzusteigen! Wohin? Zum Curling? Weniger überraschend, dass dies dann, ich nehme hier mal die „Spannung“ vorweg, geschah.

Den Rest des Jahres über passierte nichts. Der Ligabetrieb dümpelte vor sich hin, bei den Vorstandssitzungen wurde wenig von Belang diskutiert: Der Vorschlag Steffen N.s, Tischtennis auch als Fantasybrettspiel anzubieten, wurde abgelehnt; die Frage, ob es in Zukunft nicht doch sinnvoll sei, einen Chronisten anzuheuern, der nicht nur an drei Wochenenden am Vereinsleben teilhabe, vertagt.

Im Frühling wuchs auf Führungsebene die Einsicht, dass die Integration Chen Z.s und Bryan B.s zwar Fortschritte aufweise; dass die Verbesserung der Sprachkenntnisse allerdings lediglich dazu führe, dass es den beiden nunmehr möglich sei, auch ohne die zuvor gütige Mithilfe von Yves B. den örtlichen Spirituosenladen zu frequentieren. Bald schon nahmen die beiden Cracks gar nicht mehr an Meisterschaftsspielen teil; weil sich auch Marco G. gut erholt zeigte und pausenlos verlor und Nicolas Brusenbinder sowie David S. damit ausgelastet waren, an schmeichelnden Zitaten für Bernhard I.s Homepage zu feilen („Du hast mich verzaubert“ vs. „Du schupfst, ich staune“), stellte sich die weihnachtliche Ankündigung von Vizepressesprecher Steffen N.: „Die Rückrunde wird keinen Deut langweiliger als die Vorrunde“, als falsch heraus: Sie wurde noch langweiliger, denn Verlieren ist immer langweilig, außerdem konnte ich oft nicht dabei sein, und ich langweilte mich in der Zwischenzeit sehr und vertrieb mir die Zeit zuhause mit meinem Tischtennisroboter „René“ nur mäßig.  

Erst im April kam wieder Spannung auf. Wo war ich denn vorhin stehen geblieben? Ach ja, wir waren danach sehr schön essen, obwohl wir abgestiegen sind. Obwohl wir alle abgestiegen sind. Der ganze Verein. Alle Mannschaften. Einige sogar gleich mehrere Ligen, denke ich. Die Vereinsmeisterschaft hat einer aus der zweiten Mannschaft gewonnen. Ein Linkshänder. Aus der zweiten Mannschaft. Und die Doppelkonkurrenz ein Fünfjähriger. Das schmerzt doch alles so sehr. Der Schaffner sagt: „Die Zugfahrt mit der RSV-Eisenbahn ist vorbei, die Fahrkarten sind abgerissen. Das letzte Schnitzel im Bordbistro ist aufgegessen und auf der Toilette gibt´s kein Papier mehr. Dieser Zug endet hier. Alles absteigen, bitte“.

Und dann war ich im Internet, und da habe ich das gelesen: „Der diesjährige Oscar der Tischtennisabteilung für besondere Verdienste geht an Matthias B. Matthias hat den Schlüssel für den Bierkühlschrank einen ganzen Monat lang sicher verwahrt. Dann hat er ihn kurz verloren. Aber Matthias hat nicht aufgegeben. Matthias war ganz unten, aber er hat einfach nicht aufgegeben. Er hat gesucht und gekämpft und gesucht; und dann, nach einer langen Zeit in der Verbandsoberliga, hat er ihn wieder gefunden, den Schlüssel. Er war ein bisschen verrostet, aber er ging noch“.

Mit der Hoffnung, die Matthias B. für uns verkörpert: nämlich, den Schlüssel wiederzufinden, und in seinem Fall konkret: die Würde am Tisch; mit dieser Hoffnung verabschiede ich mich in den Sommer und den Westerwald. Chen Zhibin und ich haben ja die Eisdiele in Weitefeld-Langenbach, und Bryan drückt sich jetzt schon die Nase an der Scheibe platt. Ihr könnt uns in ein paar Jahren besuchen, wenn mal wieder ein Oberliga-Auswärtsspiel ist.

 

Von
David Weber

Beim RTTV-Pokalfinale in Winzenheim ist die 1. Jugendmannschaft ihrer Favoritenrolle voll gerecht geworden und hat sich erst im Halbfinale mit 4:0 gegen Offstein-Wachenheim durchgesetzt und danach die TTG Selztal mit 4:1 in ihre Schranken verwiesen. Der RSV gratuliert Henrik Brusenbauch, Leon Görg und Lenni Meier zu diesem Erfolg.

Als der Anruf endlich kam und ich von meiner Kadernominierung erfuhr, war mir, als könnte ich selbst unter dem trendigen Longsleave, das ich an diesem Tag trug, den über meinen markanten Bizeps springenden, mit schwarzer Tinte auf die hübsche Haut tätowierten Haybachlachs, Symbol meiner Liebe, meines Vereins, das dunkle Mal! aufleuchten sehen. In der Vorrunde war ich einmal in der zweiten Mannschaft angetreten, in einer Operettenliga, deren Niveau auf jedem Pausenhof jeder Grundschule mit musischem Schwerpunkt tagtäglich übertroffen wurde. Ich hatte mich nach Milchglasfenstern gesehnt und mich in meine Lehrzeit im Leistungskader des Mainzer Volksparks zurückversetzt gefühlt.
 
Nun also endlich zurück in der Oberliga, dem Zirkus Roncalli der Tischtennisszene. Ich betrat die Halle in Ludwigshafen-Oppau und sah vertraute Bilder: Im VIP-Bereich balgte sich Familie Küssner mit den heimischen Kuttenträgern um Artischockenbrote, auf der Südtribüne trommelten sich die gesichtsbemalten David Schöne und Alex Schmelzeis für den Abstiegskracher warm. Ich sah mich nach Chen Zhibin um, entdeckte aber vorerst nur Nicolas Brusenburg, der mir ein gutes Stück gewachsen schien, und Marco G., den Kapitän, den agressive leader, den Bernd Hollerbach der Oberliga, der zum Warm-Up kleinere Beleidigungen vor sich hin murmelte und erste Kerben in die Tische trat.
 
"Mach mal hin, Chen Zhibin", tippte ich in mein Mobiltelefon. "Und wo ist eigentlich Bryan?", fragte ich in die Runde. "In Peru, in Peru, in den Anden", trötete B. Ilchev und schob sich eine Schupfnudel in den Mund. "Chen Zhibin ist jetzt Nationaltrainer von Singapur". Seltsam: Warum sagte mir mein Gedächtnis, dass ich mit den beiden vor wenigen Stunden noch beim Frühschoppen in der "Linde" gesessen hatte? Mir ging ein Licht auf: Den beiden waren die Lichter ausgegangen. "Zieht euch Sportklamotten an", wies ich die beiden Schlachtenbummler an. "Die kommen nicht mehr".
 
Dann ging es los. Das Spiel selbst war sehr langweilig. Mal gewannen wir, mal die anderen. Ich nutzte die Zeit, um mich bei den kompetent wirkenden Gegnern nach Ü40-Parties in der Gegend zu erkundigen. Vielleicht konnte ich Chen Zhibin so wenigstens noch zum Schlussdoppel in die Halle locken. Das Unterfangen scheiterte allerdings an der Pfälzer Mundart. Ich verstand nur Bahnhof, und der sei schwer zu finden. Es stand nach der ersten Runde 4:5, zwei Doppel, Nicolas, ich, vom Rest wie gewöhnlich nichts.
 
Um mir die Langeweile zu vertreiben, blätterte ich in einer ausliegenden Provinzzeitung. Neben einer großformatigen Anzeige, auf der ich Matthias B. mit lasziv gekreuzten Beinen für Körperöle werben sah - auch ich war überrascht -, fand ich das Wettprogramm; sah, dass auf den ersten Ligasieg von David S. seit dem Verbot gleichfarbiger Beläge hohe Quoten ausgeschrieben waren, und hatte eine Idee. Unterdessen hatte endlich auch das vordere Paarkreuz mit Marco und Bernhard mal gewonnen, und Nicolas Brusenbein, "der Schlachs vom Haybach", einen weiteren Sieg erbrüllt. Es stand also schon 7:5, als ich mich beim Blick auf den Spielstand bei David S. fast an meiner Frischkleber-Caprisonne verschluckte: 0:2 nach Sätzen! Ich mogelte mich in die Box, fragte den Gegner: "Kann ich mal deinen Schläger sehen? Schau, da steht meiner", und zeigte auf Marco G. Also gewannen wir alle restlichen Spiele und damit insgesamt 9:5.
 
Von
David Weber

Drei RSV-Talente haben bei den Einzelmeisterschaften der Region 7 (ehemals Südwestdeutsche Meisterschaften) gute Platzierungen belegt.

Bei der männlichen Jugend erspielte sich Henrik Brusenbauch mit einer Bilanz von vier Siegen bei sieben Niederlagen den achten Platz bei zwölf Teilnehmern. Im Turnierverlauf zeigte Henrik mitunter sehr starke Auftritte und brachte einige klare Favoriten in arge Bedrängnis.

Ebenfalls den achten Platz belegte Florian Schellenberg bei den A-Schülern mit einer Bilanz von 4:7.

Die beste Turnierplatzierung für den RSV Klein-Winternheim erspielte sich Julia Meng, die bei den A-Schülerinnen mit einer 6:5-Bilanz auf Platz sieben kam. 

Es war schon ein außergewöhnliches Jahr, dieses 2015. Es wurde geschwitzt wie selten, im Jahrhundertsommer. Menschenmengen zogen durch Straßen und skandierten dumpfe Parolen, während andere eine nie gekannte Hilfsbereitschaft an den Tag legten und jenen halfen, die alles verloren hatten. Die Freiheit wurde angegriffen, wieder einmal. Und wieder einmal vergeblich. Ein großer Deutscher rauchte seine allerletzte Zigarette. Wenig später wurde darüber debattiert, ob man nun "Krieg" sagen darf oder nicht. Und in Mainz gab eine Brücke den Geist auf.

Achja, Tischtennis gespielt wurde natürlich auch noch, in einem kleinen Dorf mitten in Rheinhessen. Einem Dorf, das sich über viele Jahre einen Ruf als Hochburg des schnellsten Rückschlagsports der Welt erarbeitet hat. Abenteuer. Mit diesem Wort hatte man im Vorfeld der Saison 2015/16 den sportlichen Ausblick auf das beschrieben, was da wohl kommen würde. Und ja, das Wort hätte kaum besser gewählt sein können, blickt man auf das zurück, was die erste Hälfte der Saison zu bieten hatte. Für die einen den erwartet schweren Kampf um den Klassenerhalt, für andere wichtige Erfahrungen für die eigene Weiterentwicklung und für wiederum andere das ungewohnte und dennoch wunderbare Gefühl, einmal nicht im Tabellenkeller herumzudümpeln. Egal, was am Ende zu verbuchen ist, eines steht unwiderruflich fest: So hochklassig spielten nie zuvor Mannschaften des RSV Klein-Winternheim Tischtennis. Und das allein ist ja schonmal was.

1. Mannschaft

Eigentlich ja unterhalb der Erwartungen geblieben, in der Tabelle dann letztlich aber doch auf einem Platz zu finden, der zufrieden stellt - für das Aushängeschild des RSV war die erste Hälfte der fünften Oberliga-Saison das berühmte Wechselbad der Gefühle. Mindestens den Relegationsplatz (bei vier Absteigern) galt es zu erreichen, alles andere als eine leichte Aufgabe, zumal sich der Start mehr als schwer gestaltete. Vier Niederlagen zum Auftakt ließen den Druck im Kessel ordentlich steigen. Regelmäßigen Punktgewinnen der Spitzenspieler Chen Zhibin und Bryan Blas stand eine bislang unbekannte Ladehemmung von Eigengewächs Nicolas Brusenbauch gegenüber, der sich offenbar ein Beispiel an der Treffsicherheit der deutschen G36-Gewehre genommen hatte. Sowas kann vorkommen, und es bleibt eine ganze Rückrunde, um zur alten Stärke zurückzufinden. Mannschaftsküken David Schöne muss sich ganz augenscheinlich erst noch an die neue Liga gewöhnen, gewann er doch von seinen 14 Einzel gerade mal drei. Dass das aber im Bereich des Möglichen liegt, hat so mancher Auftritt in der Vorrunde eindeutig gezeigt. Neuzugang Bernhard Ilchev bewies indes, dass das Abwehrspiel noch lange nicht ausgedient hat und holte wichtige Siege im Einzel. Nur die Suche nach dem idealen Doppelpartner, die gestaltet sich noch immer etwas schwierig, auch wenn sich Marco Gottwald da wohl als Partner der Wahl herauskristallisiert. Ach ja. Der Gottwald. Hätte man zu Beginn der Runde Wetten abgeschlossen, darauf, wer die Schlüsselfigur des plötzlich zurückkehrenden Erfolgs der Klein-Winternheimer sein würde, sein Name wäre wohl nur selten gefallen. Nach einem Bänderriss noch in akuter Gefahr, den Saisonstart zu verpassen, drehte der 19-Jährige plötzlich mächtig auf und zeigte das, was ihn schon als Nachwuchsspieler immer ausgezeichnet hatte: unbändigen Kampfgeist, gepaart mit agilem, kraftvollem Spiel. Fünfsatzspiele wurden endlich wieder zu Marcos Spezialität, Spiele wie das denkwürdige 9:5 gegen den Rheinhessen-Rivalen TSV Wackernheim, bei dem der Kapitän zwei Punkte durch Siege im Entscheidungssatz beisteuerte. Dass da auch die individuellen Trainingseinheiten mit Coach Yves Besier eine Rolle gespielt haben, liegt irgendwie nahe. Knapp 100 Zuschauer verwandelten die Haybachhalle an diesem Tag in einen Hexenkessel, Trommelschläge (Stimmung!) und Jubelschreie inklusive. Letztlich lag der RSV hauchdünn vorn, und war plötzlich auch in der Tabelle wieder in beruhigendere Regionen gelangt. Am Ende der Vorrunde ist Platz sieben eine erfreuliche Position, die aber keineswegs zum Ausruhen verleiten darf. Denn schon der kleinste Patzer kann am Ende den Abstieg bedeuten. Fakt ist: Die Rückrunde wird keinen Deut langweiliger als die Vorrunde.

2. Mannschaft

Was für ein harter Aufprall in der Realität: Zwei Jahre lang hatte die zweite Mannschaft ihre Liga aufgemischt, war souverän aufgestiegen, und hatte ein Stück weit verlernt, wie es ist zu verlieren. In der Verbandsoberliga wurde diese Lektion gelernt. Und wie. Es hagelte eine Niederlage nach der anderen, auch Neuzugang Chase Bockoven, der aus den USA nach Klein-Winternheim gekommen war und die in ihn gesetzten Erwartungen voll erfüllte, konnte hieran wenig ändern. Und doch bleibt das Gefühl, dass diese Saison für die Entwicklung der jungen Spieler Henrik Brusenbauch, Alex Schmelzeis, Florian Oehme und Matze Becker vielleicht die wichtigste ihrer bisherigen Karriere sein könnte. Nicht nur, weil auch gemeinsames Verlieren zusammenschweißt, sondern, weil das andauernde Kräftemessen mit spielerisch überlegenen Gegnern das eigene Potenzial viel besser herauskitzeln kann als der souveräne Erfolg über Schwächere. Dass die Stimmung im Team auch im Tabellenkeller unverändert gut ist, bewies eindrucksvoll das letzte Saisonspiel gegen die bis dato ebenfalls sieglosen Sportler aus Ochtendung, die die Zweite in einem spektakulären und viel umjubelten Schlussakt der Vorrunde mit 9:7 niederringen und damit die rote Laterne abgeben konnte. Fazit: Man kann in einer Saison mehr gewinnen als bloß Spiele. Viel mehr.

3. Mannschaft

Manchmal sehnt man sich nach nichts mehr als nach Ruhe. Vor allem dann, wenn es in der Vorsaison erst am letzten Spieltag den ersehnten Klassenerhalt gegeben hatte. Unter diesem Motto stand dann auch die Bezirksligasaison für die dritte Mannschaft, die zu großen Teilen verjüngt und runderneuert an den Start ging. Mit Philipp Benrath und Marvin Hemmersbach waren zwei vielversprechende junge Spieler zum RSV gewechselt, die - um es kurz zu machen - genau das zeigten, was man sich von ihnen erhofft hatte. Philipp wurde mit 20:3-Spielen zum bislang zweitbesten Spieler der Liga und zeigte im Derby gegen Sörgenloch ganz nebenbei den Ball des Jahres (ein unterm Tisch gefischer Netzroller, der beim Gegner über die Platte rollte!), Marvin erwies sich als Bank im mittleren Paarkreuz. Dazu noch die beiden Youngster Leon Görg und Lenni Meier, die trotz fehlender Erfahrung wichtige Punkte einfuhren und sich in guter Form präsentierten. Zuguterletzt zeigten Oli Haun und Steffen Nagel, dass modernes Angriffsspiel nicht alles ist und man auch mit guten Blocks oder kruder Ballonabwehr gewinnen kann. Platz drei ist die Bilanz dieser wilden Mischung, exakt die Platzierung, die man sich vor der Saison erhofft hatte. Fazit: Eine entspannte Saison ohne Druck kann etwas sehr schönes sein.

4. Mannschaft

Stammspieler? Regelmäßige Einsätze? Braucht kein Mensch. Beweist zumindest die vierte Mannschaft, die in der Vorrunde insgesamt zwölf (!) Spieler einsetzte, und mit diesem - mitunter ungewollten - Rotationsprinzip á la Bayern München großen Erfolg hatte und in der A-Klasse derzeit Rang drei belegt. Den Preis für Mister Zuverlässig heimst in der Vierten Mohsen Darej ein, der immerhin bei neun von zehn Partien an die Tische ging und zwölf seiner 16 Einzel gewinnen konnte. Fazit: Auch regelmäßiges Wechselspiel führt zum Ziel.

5. Mannschaft

Haha! Werden sich wohl die Spieler der fünften Mannschaft denken. Oder so ähnlich. Wie auch immer: Nach einem sang- und klanglosen Abstieg aus der A-Klasse in der Vorsaison zeigen die Mannen um Spitzenspieler Jens Grundmann in diesem Jahr, wie man mit nahezu gleichem Personal in der nächsttieferen Liga zum Spitzenteam avancieren kann. Die Herbstmeisterschaft ist jedenfalls schonmal in der Tasche. Und wer weiß, vielleicht steht am Ende ja sogar noch mehr zu Buche? Maßgeblichen Anteil am Erfolg der Fünften hat dabei auch Nachwuchsspieler Simon Vilz, der in seiner ersten Saison bei den Herren direkt mal bis zum letzten Spiel zu Null stand und sich nicht nur sportlich, sondern auch menschlich prima ins Team integriert hat. Fazit: Holt euch die Meisterschaft! Verdient wär's!

Damenmannschaft

Wenn Besier, Oehme und Gottwald an die Tische gehen, stehen Spaß und Bewegung im Vordergrund, nicht der sportliche Erfolg. Stimmt natürlich nur, wenn man nicht die Söhne, sondern eben jene Mütter meint, die sich ihren Sprösslingen angeschlossen und ebenfalls nach den Schlägern gegriffen haben. Allerdings aus etwas anderen Gründen, den bereits oben beschriebenen. Ergänzt duch Romy Kiebler, Annika Meier, Regine Otto und Nachwuchsspielerin Kim Lütkemeier stehen die Frauen derzeit in der Kreisliga auf Rang fünf. Eine hauchdünne Niederlage gegen den Spitzenreiter in der Vorrunde beweist, dass gar nicht so viel fehlt, um ganz vorne mitzuspielen. Aber irgendwie drängt sich der Verdacht auf, dass das den Akteurinnen gar nicht so wichtig ist. Und das ist auch gut so. Fazit: Weiterspielen! Spaß haben und bewegen! :)

 

Von
Steffen Nagel